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Brief des Vorstandsvorsitzenden

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde des Hauses Bertelsmann,

Thomas Rabe
Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann

das Jahr 2014 ist für Bertelsmann erfreulich verlaufen. Der Geschäftsverlauf war insgesamt positiv und wir sind mit der Umsetzung unserer Strategie gut vorangekommen. Unter anderem ist uns ein wichtiger Schritt beim Aufbau unseres Bildungsgeschäfts gelungen. Langfristig wollen wir Bildung als dritte Säule unseres Portfolios neben Medieninhalten und Dienstleistungen etablieren. Aber auch dank vieler weiterer Maßnahmen sind wir unserem Ziel, Bertelsmann digitaler, internationaler und wachstumsstärker aufzustellen, näher gekommen. Das „neue Bertelsmann“ gewinnt spürbar an Kontur. Dies dokumentiert auch der vorliegende Geschäftsbericht.

Bertelsmann hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr um gut drei Prozent auf 16,7 Milliarden Euro gesteigert. Das ist der höchste Wert seit sieben Jahren. Hierzu trugen maßgeblich unsere strategischen Transaktionen bei, etwa der Zusammenschluss von Penguin und Random House, der vollständige Erwerb von BMG oder auch der Ausbau der Finanz- und E-Commerce-Dienstleistungen bei Arvato. Gleichzeitig haben wir einige umsatzstarke – aber strukturell rückläufige – Geschäfte abgegeben, zum Beispiel das US-Druckgeschäft von Gruner + Jahr und das italienische Druckgeschäft von Be Printers.

Das Operating EBITDA erreichte ebenfalls das höchste Niveau seit 2007 und stieg im Vergleich zum Vorjahr um knapp drei Prozent auf 2,37 Milliarden Euro. Auch hierzu leistete Penguin Random House – unter anderem dank zahlreicher Bestseller – einen wesentlichen Beitrag. Der Zusammenschluss beider Buchverlagsgruppen machte sich sowohl für unsere Autoren und ihre Millionen von Lesern als auch wirtschaftlich bezahlt. Die Integration schritt schneller voran als geplant, und unsere Verlage erzielten auf allen Kontinenten herausragende kreative Erfolge. In den USA erreichten 2014 beispielsweise mehr als 500 Titel von Penguin Random House die Bestsellerlisten der „New York Times“.

Wesentliche Beiträge zum Ergebniswachstum lieferten darüber hinaus unser deutschsprachiges Fernsehgeschäft – dank eines weiteren Rekordjahres der Mediengruppe RTL Deutschland – sowie unser Musikrechtegeschäft BMG. Insgesamt konnten Ergebnisrückgänge einiger Geschäfte in Frankreich und aus strukturell rückläufigen Aktivitäten sowie Anlaufverluste für Neugeschäfte mehr als kompensiert werden. Unsere EBITDA-Marge blieb infolgedessen nahezu stabil bei 14,2 Prozent.

Das Konzernergebnis betrug 573 Millionen nach 885 Millionen Euro im Vorjahr. Ergebnismindernd machten sich der Rückbau unserer Druck- und Direktmarketinggeschäfte sowie eine Wertberichtigung auf das Fernsehgeschäft in Ungarn bemerkbar, wo im Sommer eine Sondersteuer auf Werbung eingeführt wurde. Darüber hinaus machten sich Aufwendungen für Ergebnisverbesserungsmaßnahmen bemerkbar, die zusammen ein mittelfristiges Ergebnispotenzial von ca. 500 Millionen Euro haben.

Wir haben 2012 das Ziel ausgegeben, Bertelsmann entlang vier strategischer Stoßrichtungen wachstumsstärker, digitaler und internationaler zu machen. Und wir haben auch im vergangenen Jahr in jeder Stoßrichtung Fortschritte erzielt.

Eine wichtige Maßnahme zur Stärkung des Kerngeschäfts war für uns die vollständige Übernahme von Gruner + Jahr. 45 Jahre nachdem sich Bertelsmann unter der Führung Reinhard Mohns erstmals am Hamburger Verlagshaus beteiligt hat, sind wir durch den Kauf der Anteile der Familie Jahr seit 1. November 2014 der alleinige Eigentümer von G+J. Wir freuen uns sehr darauf, das Unternehmen zusammen mit den Kolleginnen und Kollegen als führendes Haus der Inhalte weiterzuentwickeln – und darüber, dass die strategische Neuausrichtung von G+J bereits Früchte trägt: Lässt man die verkauften Druckaktivitäten außer Acht, erzielte G+J 2014 trotz zusätzlicher Investitionen in die digitale Transformation ein nahezu stabiles operatives Ergebnis.

Aber auch in anderen Bereichen haben wir unsere Kerngeschäfte gestärkt: Die RTL Group baute ihre Senderfamilien dank neuer Sender in Deutschland (Geo TV, in Kooperation mit G+J), Kroatien (RTL Kockica) und Südostasien (RTL CBS Extreme HD) aus. Penguin Random House verstärkte durch den Erwerb des Buchverlags Santillana seine Präsenz in Lateinamerika wie auch in Spanien und Portugal. Und nicht zuletzt haben wir deutliche Fortschritte beim Rückbau einiger strukturell rückläufiger Geschäfte gemacht: So haben wir neben den schon erwähnten Druckereien auch die Clubgeschäfte in Tschechien und der Slowakei sowie in Spanien veräußert. Zudem werden wir uns in den kommenden Monaten aus dem Club- und Direktmarketinggeschäft in Deutschland zurückziehen.

Positiv gestaltete sich 2014 die digitale Transformation unserer Geschäfte. Die RTL Group erwarb die Mehrheit an SpotXchange, einer der fünf größten Vermarktungsplattformen für Onlinevideos weltweit. Zudem stockte sie ihren Anteil am Multichannel-Netzwerk StyleHaul auf 97 Prozent auf. StyleHaul ist das weltweit populärste MCN rund um Mode-, Beauty- und Lifestyle-Themen. Die Catch-up-TV-Angebote unserer Sender, die Web-Produktionen und -Kanäle von Fremantle Media sowie unsere MCNs verzeichneten 2014 zusammen mehr als 36 Milliarden Onlinevideoabrufe. Mehr Zuschauer hatten nur Google, Facebook und AOL. Die RTL Group hat sich damit als Europas führender digitaler Unterhaltungskonzern etabliert.

Seine Marktführerschaft im Digitalgeschäft weiter gefestigt hat Penguin Random House. Penguin Random House verkaufte 2014 mehr als 100 Millionen E-Books und bietet mittlerweile über 100.000 Titel in elektronischer Form an. Gruner + Jahr erweiterte unterdessen sein Portfolio an digitalen Inhalten und befindet sich auf dem Weg zum führenden Anbieter von digitalen Zeitschriften in Deutschland. Und Arvato wuchs 2014 mit Dienstleistungen für führende Unternehmen aus der IT- und Hightech-Branche.

Ein wesentlicher Schritt ist uns beim Ausbau unserer Wachstumsplattformen gelungen. Die Übernahme von Relias Learning war für Bertelsmann die größte Akquisition in den USA seit dem Erwerb von Random House im Jahr 1998. Relias ist ein führender US-amerikanischer E-Learning-Anbieter mit mehr als 4.000 institutionellen Kunden und verfügt über erhebliches Wachstumspotenzial, da das Unternehmen von drei globalen Megatrends profitiert: Bildung, Gesundheit und Digitalisierung. Für Bertelsmann ist Relias damit der ideale Nukleus für den Aufbau unseres E-Learning-Geschäfts.

E-Learning ist eines von insgesamt drei Segmenten im Bildungsbereich, in die wir in den kommenden Jahren investieren werden. Daneben wollen wir unter dem Dach unserer US-Tochter Arist ein weltweites Hochschulnetzwerk für Medizin und Humanwissenschaften aufbauen. Hier haben wir im Februar 2015 mit der renommierten Alliant International University eine erste Hochschule mit 3.700 Studenten an zehn Standorten eingebracht. Und wir wollen den Dienstleistungsbereich für den Hochschulsektor erschließen. Auf diese Weise wollen wir den Bildungsbereich zu einer tragenden Säule des „neuen Bertelsmann“ entwickeln. Perspektivisch streben wir ein Umsatzvolumen von einer Milliarde Euro an.

Neben Bildung haben wir 2014 auch unsere anderen Wachstumsplattformen erfolgreich weiterentwickelt. Fremantle Media sicherte sich die Mehrheit am TV-Produktionsunternehmen 495 Productions. Arvato stieg durch die Übernahme von Netrada zum europäischen Marktführer für Fashion-E-Commerce auf und trieb den Ausbau seines Finanzdienstleistungsgeschäfts weiter voran, etwa durch den Kauf des niederländischen Unternehmens AfterPay. BMG schließlich wuchs sowohl organisch als auch durch Zukäufe; unter anderem haben wir die Musikverlage Talpa und Union Square sowie die Rechtekataloge Montana und Hal David übernommen.

Erfreuliches gab es auch bei der Expansion unserer Geschäfte in den Wachstumsregionen zu vermelden. Unser Fonds Bertelsmann Asia Investments (BAI) ist so viele neue Beteiligungen eingegangen wie noch nie und hat seit seiner Gründung bereits mehr als 40 Investments getätigt. Zugleich verzeichnete BAI erneut erhebliche Wertzuwächse. In Indien investierte Bertelsmann unter anderem in die E-Commerce-Plattform Pepperfry und den Bildungsdienstleister iNurture. Und in Brasilien haben wir gemeinsam mit einer Investmentgesellschaft einen Venture-Capital-Fonds gegründet, dessen Fokus auf Technologien im dortigen Bildungsmarkt liegt.

Auch die Erfahrungen unserer Unternehmensbereiche dokumentieren, dass uns China, Indien und Brasilien mit ihren schnell wachsenden Mittelschichten eine Fülle an Möglichkeiten bieten: Die RTL Group und Fremantle Media sind mit ihren nonlinearen Angeboten und Hit-Formaten wie „Idol“, „Got Talent“ und „X Factor“ schon heute auf Bildschirmen auf der ganzen Welt präsent; kein Publikumsverlag verfügt über dieselbe globale Reichweite wie Penguin Random House; und Arvato zählt in China zu den führenden Dienstleistern. Durch den Ausbau dieser und unserer neuen Geschäfte aus den Bereichen Bildung und digitale Medien wollen wir in China, Indien und Brasilien mittelfristig rund eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaften.

Diese Länder werden das „neue Bertelsmann“ zukünftig noch stärker prägen als heute. Bertelsmann ist dabei, digitaler, internationaler und wachstumsstärker zu werden. Wir werden nicht nur ein Medien- und Dienstleistungs-, sondern auch ein Bildungsunternehmen sein. Und wir wollen unseren Umsatz in den nächsten Jahren auf 20 Milliarden Euro steigern.

Auf dem Weg dorthin sind wir bislang schneller vorangekommen als erwartet. Seit Anfang 2012 haben wir mehr als zwei Milliarden Euro allein in unsere Aufbau- und Wachstumsgeschäfte investiert. Das Ergebnis: Sie trugen im vergangenen Jahr schon fast 30 Prozent zum Gesamtumsatz bei – nach nur etwa 20 Prozent im Jahr 2011. Umgekehrt haben wir den Umsatzanteil strukturell rückläufiger Geschäfte im gleichen Zeitraum von 15 auf weniger als zehn Prozent reduziert.

Die wichtigste Grundlage für den Erfolg unseres Hauses ist und bleibt das Engagement unserer mehr als 112.000 Kolleginnen und Kollegen, denen ich an dieser Stelle ganz herzlich für ihre Arbeit danken möchte. Gemeinsam bauen wir ein „neues Bertelsmann“, über das Sie dieser Geschäftsbericht, der somit auch ein Fortschrittsbericht ist, informiert. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre!

Mit besten Grüßen

Thomas Rabe