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Finanzierungsgrundsätze

Das übergeordnete finanzpolitische Ziel von Bertelsmann ist die Gewährleistung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Finanzierungssicherheit, Eigenkapitalrentabilität und Wachstum. Dazu richtet der Konzern seine Finanzierung an den Anforderungen eines Credit Rating der Bonitätsstufe „Baa1/BBB+“ und den damit verbundenen qualitativen und quantitativen Kriterien aus. Rating und Transparenz gegenüber dem Kapitalmarkt leisten einen bedeutenden Beitrag zur finanziellen Sicherheit und Unabhängigkeit des Unternehmens.

Entsprechend der Konzernstruktur erfolgt die Kapitalallokation zentral über die Bertelsmann SE & Co. KGaA, die die Konzerngesellschaften mit Liquidität versorgt und die Vergabe von Garantien und Patronatserklärungen für Konzerngesellschaften steuert. Der Konzern bildet weitgehend eine finanzielle Einheit und optimiert damit die Kapitalbeschaffungs- und Anlagemöglichkeiten.

Die finanzielle Steuerung bei Bertelsmann erfolgt nach quantifizierten Finanzierungszielen, die sich an der wirtschaftlichen Verschuldung und mit abgeschwächter Bedeutung an der Kapitalstruktur orientieren. Zu den Finanzierungszielen gehört ein dynamischer Verschuldungsgrad (Leverage Factor), der sich aus dem Verhältnis der wirtschaftlichen Schulden zum OpeRating EBITDA ergibt und den definierten Wert von 2,5 nicht überschreiten sollte. Die wirtschaftlichen Schulden sind definiert als Nettofinanzschulden zuzüglich Pensionsrückstellungen, Genusskapital und Barwert der Operating Leases und werden wie das OpeRating EBITDA für Berechnungszwecke modifiziert.

Finanzierungsziele  

Ziel20142013
Leverage Factor: Wirtschaftliche Schulden/Operating EBITDA1)< 2,52,72,0
Coverage Ratio: Operating EBITDA/Finanzergebnis1)> 4,07,55,9
Eigenkapitalquote: Eigenkapital zu Konzernbilanzsumme (in Prozent)> 25,038,940,9

Am 31. Dezember 2014 lag der Leverage Factor mit 2,7 oberhalb des selbstgesetzten Höchstwertes von 2,5 (31. Dezember 2013: 2,0). Eine erneute Reduzierung des Rechnungszinsfußes führte zu einer signifikanten Erhöhung der Pensionsrückstellungen und ähnlichen Verpflichtungen zum 31. Dezember 2014 auf 2.698 Mio. € (31. Dezember 2013: 1.941 Mio. €). Die wirtschaftlichen Schulden erhöhten sich zum 31. Dezember 2014 auf 6.039 Mio. € nach 4.216 Mio. € im Vorjahr. Der Anstieg ist außer auf die erhöhten Pensionsrückstellungen und ähnlichen Verpflichtungen auf eine unverändert hohe Investitionstätigkeit im Berichtszeitraum zurückzuführen. Die Nettofinanzschulden erhöhten sich demzufolge zum Jahresende auf 1.689 Mio. € (Vj.: 681 Mio. €). Der Vorjahreswert enthielt zudem Erlöse aus der Platzierung von Aktien der RTL Group.

Ein weiteres Finanzierungsziel ist die Coverage Ratio (Zinsdeckungsgrad). Sie berechnet sich aus dem Verhältnis von Operating EBITDA (nach Modifikationen) zum Finanzergebnis und soll über einem Wert von 4 liegen. Im Berichtszeitraum lag die Coverage Ratio bei 7,5 (Vj.: 5,9). Die Eigenkapitalquote im Konzern lag mit 38,9 Prozent (31. Dezember 2013: 40,9 Prozent) weiterhin deutlich über der selbstgesetzten Mindestanforderung von 25 Prozent.

Finanzierungsaktivitäten

Anleihen und Schuldscheindarlehen der Bertelsmann SE & Co. KGaA  

Emissions­volu­men
in Mio. €
Buch­wert 31.12.2014
in Mio. €
Fällig­keitTypNominal­zins in Pro­zent
5004306. Oktober 2015Anleihe3,625
1.00078526. September 2016Anleihe4,750
60604. Mai 2019Schuld­schein­dar­lehen4,207
10010018. November 2019Floating Rate Note3-Mon.-EURIBOR + 40 Bp.
7507412. August 2022Anleihe2,625
50049614. Oktober 2024Anleihe1,750
1009829. Juni 2032Anleihe3,700

Im Berichtszeitraum wurden eine im Januar 2014 fällige Anleihe sowie im Februar und März 2014 fällige Schuldscheindarlehen termingerecht aus bestehender Liquidität zurückgezahlt. Darüber hinaus nutzte Bertelsmann das niedrige Zinsniveau im Geschäftsjahr 2014 für eine langfristige Kapitalaufnahme. Im Oktober 2014 wurde eine Benchmark-Anleihe mit zehnjähriger Laufzeit und einem Emissionsvolumen von 500 Mio. € erfolgreich platziert. Die in Luxemburg gelistete Anleihe ist mit einem festen Kupon von 1,75 Prozent ausgestattet. Im November 2014 wurde zudem eine Anleihe über 100 Mio. € mit variabler Verzinsung und einer Laufzeit von fünf Jahren im Zuge einer Privatplatzierung emittiert.

Laufzeitenprofil – Finanzschulden in Mio. €

Laufzeitenprofil – Finanzschulden in Mio. €

Rating

Bertelsmann verfügt seit dem Jahr 2002 über Emittenten-Ratings der Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor’s (S&P). Die Emittenten-Ratings erleichtern den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten und stellen daher ein wichtiges Element der Finanzierungssicherheit von Bertelsmann dar. Bertelsmann wird von Moody’s mit „Baa1“ (Ausblick: stabil) und von S&P mit „BBB+“ (Ausblick: stabil) bewertet. Beide Credit Ratings liegen im Investment-Grade-Bereich und entsprechen dem Zielrating von Bertelsmann. Die Einschätzung zur kurzfristigen Kreditqualität von Bertelsmann wird von Moody’s mit „P-2“ und von S&P mit „A-2“ beurteilt.

Kreditlinien

Der Bertelsmann-Konzern verfügt zusätzlich zur vorhandenen Liquidität über eine syndizierte Kreditlinie. Diese bildet das Rückgrat der strategischen Kreditreserve und kann von Bertelsmann durch Ziehung in Euro, US-Dollar und Britischen Pfund bis zu einem Betrag von 1,2 Mrd. € revolvierend in Anspruch genommen werden. Die zuvor bis 2018 laufende syndizierte Kreditlinie wurde im Juli 2014 vorzeitig bis 2019 erneuert.

Kapitalflussrechnung

Das Gesamtkonzernergebnis vor Finanzergebnis und Steuern ist die Ausgangsgröße für die Erstellung der Kapitalflussrechnung. Im Berichtszeitraum wurde ein Cashflow aus der betrieblichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 1.523 Mio. € generiert (Vj.: 1.779 Mio. €). Der nachhaltige, um Einmaleffekte bereinigte Operating Free Cash Flow betrug 1.711 Mio. € (Vj.: 1.826 Mio. €). Die Abweichung gegenüber dem Vorjahreswert ist unter anderem zurückzuführen auf eine insgesamt höhere Mittelbindung im Nettoumlaufvermögen. Die Cash Conversion Rate lag mit 97 Prozent (Vj.: 104 Prozent) im Zielkorridor (vgl. hierzu Abschnitt „Wertorientiertes Steuerungssystem“). Der Cashflow aus Investitionstätigkeit lag bei -1.523 Mio. € (Vj.: -1.004 Mio. €). Auf Investitionen in immaterielle Vermögenswerte, Sach- und Finanzanlagen entfallen davon -758 Mio. € (Vj.: -811 Mio. €). Die Kaufpreiszahlungen für konsolidierte Beteiligungen (abzüglich erworbener liquider Mittel) betrugen -820 Mio. € (Vj.: -501 Mio. €). Die Einzahlungen aus dem Verkauf von Tochterunternehmen und sonstigen Geschäftseinheiten bzw. von sonstigem Anlagevermögen lagen bei 90 Mio. € (Vj.: 379 Mio. €). Der Cashflow aus Finanzierungstätigkeit betrug -1.434 Mio. € (Vj.: -663 Mio. €). Der Mittelabfluss in Höhe von -1.048 Mio. € war zurückzuführen auf die Rückzahlung von Finanzschulden. Dem standen Mittelzuflüsse aus der Emission von Anleihen gegenüber. Dividenden an die Aktionäre der Bertelsmann SE & Co. KGaA beliefen sich auf -180 Mio. € (Vj.: -180 Mio. €). Dividenden an nicht beherrschende Anteilseigner und weitere Auszahlungen an Gesellschafter wurden in Höhe von -585 Mio. € (Vj.: -445 Mio. €) ausgezahlt. Hierin enthalten ist auch der Kaufpreis für den Erwerb des 25,1-Prozent-Anteils an Gruner + Jahr im unteren dreistelligen Millionenbereich. Zum 31. Dezember 2014 verfügte Bertelsmann über liquide Mittel in Höhe von 1,3 Mrd. € (Vj.: 2,7 Mrd. €).

Konzern-Kapitalflussrechnung (Kurzfassung)  

in Mio. €20142013
Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit1.5231.779
Cashflow aus Investitionstätigkeit-1.523-1.004
Cashflow aus Finanzierungstätigkeit-1.434-663
Zahlungswirksame Veränderung der liquiden Mittel-1.434112
Wechselkursbedingte und sonstige Veränderungen der liquiden Mittel50-22
Liquide Mittel am 1.1.2.7152.625
Liquide Mittel am 31.12.1.3312.715
Abzüglich liquider Mittel der Veräußerungsgruppen-2-10
Liquide Mittel am 31.12. (laut Konzernbilanz)1.3292.705

Außerbilanzielle Verpflichtungen

Unter die außerbilanziellen Verpflichtungen fallen Haftungsverhältnisse und sonstige finanzielle Verpflichtungen, die nahezu ausnahmslos aus der operativen Tätigkeit der Unternehmensbereiche resultieren. Die außerbilanziellen Verpflichtungen reduzierten sich gegenüber dem Vorjahr. Die zum 31. Dezember 2014 vorhandenen außerbilanziellen Verpflichtungen hatten für das abgelaufene wie auch das künftige Geschäftsjahr keine wesentlichen negativen Auswirkungen auf die Finanz-, Vermögens- und Ertragslage des Konzerns.

Investitionen

Die Gesamtinvestitionen einschließlich übernommener Finanzschulden in Höhe von 23 Mio. € (Vj.: 676 Mio. €) lagen im Geschäftsjahr 2014 bei 1.601 Mio. € (Vj.: 1.988 Mio. €). Die Investitionen gemäß Kapitalflussrechnung betrugen 1.578 Mio. € (Vj.: 1.312 Mio. €). Von den Sachanlageinvestitionen in Höhe von 334 Mio. € (Vj.: 289 Mio. €) entfiel wie in den Vorjahren der größte Teil auf Arvato. In immaterielle Vermögenswerte wurden 248 Mio. € (Vj.: 404 Mio. €) investiert, die insbesondere auf die RTL Group für Investitionen in Filmrechte sowie auf BMG für den Erwerb von Musikkatalogen entfielen. Für Investitionen in Finanzanlagen wurden 176 Mio. € (Vj.: 118 Mio. €) aufgewandt. Kaufpreiszahlungen für konsolidierte Beteiligungen (abzüglich erworbener liquider Mittel) lagen im Berichtszeitraum bei 820 Mio. € (Vj.: 501 Mio. €) und bezogen sich im Wesentlichen auf die Akquisitionen von Relias und Santillana sowie auf die Mehrheitsbeteiligungen an SpotXchange und StyleHaul.

Investitionen nach Bereichen  

in Mio. €20142013
RTL Group468262
Penguin Random House121-36
Gruner + Jahr6246
Arvato246298
Be Printers2925
Corporate Investments656679
Summe Investitionen der Bereiche1.5821.274
Corporate Center/Konsolidierung-438
Gesamtinvestitionen1.5781.312

Bilanz

Die Bilanzsumme zum 31. Dezember 2014 erhöhte sich auf 21,5 Mrd. € (Vj.: 21,4 Mrd. €). Der Anstieg ist im Wesentlichen auf die Akquisitionen zurückzuführen, die zu einer Erhöhung der immateriellen Anlagewerte führten. Die liquiden Mittel reduzierten sich auf 1,3 Mrd. € (Vj.: 2,7 Mrd. €). Der Rückgang ist vor allem auf die Rückzahlung von Finanzschulden im Geschäftsjahr 2014 zurückzuführen. Das Eigenkapital verzeichnete im Wesentlichen aufgrund einer Neubewertung der Rückstellungen für leistungsorientierte Pensionspläne einen Rückgang auf 8,4 Mrd. € (Vj.: 8,8 Mrd. €). Durch den Rückgang verringerte sich die Eigenkapitalquote von 40,9 Prozent im Vorjahr auf 38,9 Prozent. Das auf die Aktionäre der Bertelsmann SE & Co. KGaA entfallende Eigenkapital reduzierte sich auf 6,5 Mrd. € (Vj.: 6,9 Mrd. €). Die Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen erhöhten sich aufgrund einer erneuten Reduzierung des Rechnungszinsfußes signifikant auf 2.698 Mio. € (Vj.: 1.941 Mio. €). Durch die im Abschnitt „Finanzierungsaktivitäten“ beschriebenen Rückzahlungen von Finanzschulden nahmen die Bruttofinanzschulden von 3.386 Mio. € auf 3.018 Mio. € zum 31. Dezember 2014 ab. Darüber hinaus blieb die Bilanzstruktur im Vorjahresvergleich weitgehend unverändert.

Bilanzstruktur

Bilanzstruktur

Genusskapital

Zum 31. Dezember 2014 betrug der Nennwert des Genusskapitals unverändert zum Vorjahr 301 Mio. €. Unter Anwendung der Effektivzinsmethode belief sich der Buchwert des Genusskapitals zum 31. Dezember 2014 auf 413 Mio. € (Vj.: 413 Mio. €). 94 Prozent des nominalen Genusskapitals entfallen auf den Genussschein 2001 (ISIN DE0005229942) und 6 Prozent auf den Genussschein 1992 (ISIN DE0005229900).

Die Genussscheine 2001 sind an der Frankfurter Wertpapierbörse zum Handel im Regulierten Markt zugelassen. Die Notierung erfolgt in Prozent des Nominalwerts. Im Januar erreichte der Schlusskurs des Genussscheins 2001 mit 277,30 Prozent seinen niedrigsten Stand, im Juli mit 313,40 Prozent seinen höchsten Stand im Geschäftsjahr 2014.

Nach den Genussscheinbedingungen für den Genussschein 2001 beträgt die Ausschüttung für jedes volle Geschäftsjahr 15 Prozent auf den Grundbetrag, vorausgesetzt, es stehen ein ausreichendes Konzernergebnis und ein ausreichender Jahresüberschuss der Bertelsmann SE & Co. KGaA zur Verfügung. Diese Voraussetzungen wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr erfüllt. Daher wird für die Genussscheine 2001 auch für das Geschäftsjahr 2014 eine Ausschüttung von 15 Prozent auf den Grundbetrag erfolgen.

Aufgrund des geringen Volumens weisen die zum Regulierten Markt an der Frankfurter Wertpapierbörse zugelassenen Genussscheine 1992 einen nur noch bedingt liquiden Börsenhandel auf. Für die Genussscheine 1992 richtet sich die Ausschüttung nach der Gesamtkapitalrendite des Konzerns. Da im Geschäftsjahr 2014 eine Gesamtkapitalrendite von 4,93 Prozent (Vj.: 6,49 Prozent) erzielt wurde, wird sich die Ausschüttung auf die Genussscheine 1992 für das Geschäftsjahr 2014 auf 5,93 Prozent (Vj.: 7,49 Prozent) des Grundbetrags belaufen.

Die Ausschüttung auf beide Genussscheine wird voraussichtlich am 6. Mai 2015 erfolgen. Laut den Genussscheinbedingungen kontrolliert der Abschlussprüfer der Bertelsmann SE & Co. KGaA, ob die Gewinnausschüttung zutreffend ermittelt wurde. Hierüber legt der Abschlussprüfer für beide Genussscheine eine Bescheinigung vor.